Testlabor - Produkttests, Messungen und sonstige Tests
Zurück    Produkttest: Steckdosenleisten für 1 Euro je Stück


Produkttest: Steckdosenleisten für 1 Euro je Stück


Ich kaufte mir zwei 3-fach Steckdosenleiste mit Schalter für je 1 Euro - klingt nach einem Schnäppchen, oder?

Eine Steckdosenleiste schaute ich mir aber sicherheitshalber genauer an: Von außen sah die Leiste beim Kauf gut aus, doch zuhause begann das wahre Grauen und mir wurde klar, dass dieses Produkt hochgefährlich ist und zu Bränden führen kann!

Außenansicht

leiste_3348

Hier sieht soweit noch alles in Ordnung aus, doch was ist das komische weiße in einem Steckerloch (in erster Steckdose neben Schalter)?
Ab dieser Entdeckung fing ich an der Sicherheit des Produktes zu zweifeln und forschte weiter.

gefälschtes Prüfzeichen

leiste_3350lq

TÜV Product Servoce ? was ist Servoce?
Hier wurde offensichtlich das Prüfzeichen gefälscht!

Auf der Unterseite der Leiste steht desweiteren:

"TÜV Rheinland Produet Sofety geprufte Sieherheit"

Ja, genauso steht das dort! Mit den ganzen Schreibfehlern.

Das kann nur gefälscht sein und aus einer billigen Produktion aus dem Ausland stammen.


Kunststoffreste

leiste_3352lq

Hier ist zu erkennen, dass noch Kunststoffreste in dem Loch hängen. Einen guter elektrischer Kontakt wird damit nicht erreichbar sein.
Gibt man hier die angegeben 3500 Watt drauf, kann der Billigkunststoff schnell brennen...

schlechte Verbindungsschienen und Schutzleiterkontakte

leiste_3354lq


leiste_3356lq

Nun fängt das Grauen erst richtig an:
Die Verbindungsschienen sind extrem wackelig, dünn und damit auch leicht verformbar. Steckt man einen Stecker hinein, so verformen sich die Schienen sehr stark, es gibt nur einen schwachen Kontakt.
Nach mehreren Benutzungen wird es wohl überhaupt gar keinen Kontakt mehr geben, da die Schienen total verbogen sind.

Verrostungen!

leiste_3358lq

Was ist denn das rötliche? Rost! Woher kommt Rost bei einem neuen,
in einer Verpackung eingeschweißten Produkt?

Klingeldraht für 3500 Watt Belastung?

leiste_3359lq

Man beachte die extrem dünnen Anschlussdrähtchen. Diese Drähtchen könnte man höchstens als Telefonkabel verwenden, aber keinesfalls um
3500 Watt bei 230 Volt Wechselstrom durchzuleiten!
Bei hoher Leistung werden die Drähte heiß und könnten durchbrennen.

Zudem sind diese dünnen Drähte nur notdürftig auf die Anschlussschienen und auf den Schalter aufgelötet. Fließt einiges an Strom können sich diese Drähtchen als Folge der Erwärmung durch den Stromfluss selbst auslöten. Im schlimmsten Fall kann es dabei zu Kurzschlüssen kommen - und dies zu Bränden führen.

Bzgl. der Dicke würde ich sagen, dass diese Drähtchen mit gutem Willen vielleicht dauerhaft 500 Watt verkraften würden und kurzzeitig bis 1000 Watt.
Aber niemals 3500 Watt wie angegeben!

Schutzleiterfunktion fraglich...

leiste_3365lq

Die Schutzleiterschiene und die anderen Schienen liegen an manchen Stellen extrem nahe beieinander, hier kann schnell mal ein Funke überspringen oder sie können sich bei Belastung verformen und ganz berühren: Ein Kurzschluss ist die Folge....
Aber auch die Schutzleiterschiene an sich ist gefährlich, denn die Verbindungspunkte sind nicht fest, sondern drehbar und zudem verrostet.
Da kann es schnell passieren, dass der Schutzleiter wirkungslos ist, da er innerhalb der Steckdosenleiste keinen Kontakt mehr hat.

Schalter

Zu dem Schalter kann ich nur soviel sagen, dass dieser die angegeben 3500 Watt nicht auf Dauer schalten kann.
Mir fiel auf, dass dieser gegenüber Schaltern auf anderen Steckerleisten extrem leicht schaltet. Das macht nicht gerade einen hochwertigen Eindruck.
Dass der Schalter nur einpolig schaltet sollte auch erwähnt werden, denn andere Leisten schalten meist beide Adern (Außenleiter und Neutralleiter) ab.


alle Probleme zusammengefasst

leiste_makro1b_lq
  • wackelige, dünne, verbiegbare Schienen, die teilweise sogar aus der Halterung rutschen (2)
  • Rost auf Schienen (3)
  • schlechter und teilweise überhaupt kein Kontakt bei Schutzleiter! (7)
  • Schienen liegen zu Nahe beieinander, Gefahr von Kurzschluss
  • verbogene, dünne Schutzleiterbügel (5)
  • extrem dünne Anschlussdrähte (6)
  • Anschlüssdrähte nur notdürftig aufgelötet (1), (4)
  • schlechte Verarbeitung des Kunststoffs (Reste sind in Stecklöchern)
  • nur einpoliger Schalter (8)
  • Fälschung des Tüv-Prüfzeichens



Fazit

Auf Grund dieser Aspekte ist das Produkt alles andere als sicher und beinhaltet ein hohes Gefahrenpotential. Da muss man keine Vorschriften kennen - man erkennt direkt, dass hier etwas nicht stimmt.

Das TÜV Zeichen kann nur eine Fälschung sein, denn die obigen Aspekte wären dem Tüv auf jeden Fall aufgefallen und hätten das Produkt folglich nicht zugelassen.


An die Leser

Seht dies bitte als Warnung und achtet beim Einkauf genau drauf, ob das Tüv-Prüfzeichen richtig geschrieben ist und ob der Artikel von einer bekannten Marke ist. Mit den Marken Brennenstuhl und REV habe ich übrigens bisher immer gute Erfahrungen gemacht!

Übrigens wurden diese gefährlichen Leisten nach Kontakt mit dem Gewerbeaufsichtsamt aus dem Verkehr genommen.


Kommentare, Kritik, Hinweise?

... im Forum unter extrem gefährlich: billige Steckdosenleisten!

Zurück












   © Andreas Morawietz   Stand dieser Datei: 09.12.2009 - 18:58